Barrierefreie Schriftarten: Ein unverzichtbarer Bestandteil inklusiven Designs
Die Wahl der richtigen Schriftarten auf einer Website oder in einer App ist nicht nur eine Designentscheidung, sondern auch eine Frage der Barrierefreiheit. Besonders barrierefreie Schriftarten spielen dabei eine Schlüsselrolle. Diese speziellen Schriftarten verbessern die Lesbarkeit für Menschen mit Einschränkungen, jedoch auch für alle anderen Nutzer. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum barrierefreie Schriftarten unerlässlich sind, wie Sie diese richtig implementieren und welche gesetzlichen Vorgaben seit 2025 für Unternehmen gelten.
Einführung: Schrift & digitale Barrierefreiheit
Was ist eine barrierefreie Schriftart?
Barrierefreie Schriftarten erhöhen die Lesbarkeit von Texten, insbesondere für Menschen mit Einschränkungen. Sie zeichnen sich durch klare, einfach erkennbare Zeichen aus, die eine gute Unterscheidbarkeit gewährleisten – beispielsweise zwischen Zeichen wie „I“, „l“, „1“ oder „O“, „0“. Damit tragen sie zur digitalen Barrierefreiheit von Webangeboten bei.
Was macht eine Schriftart barrierefrei?
Diese Eigenschaften tragen dazu bei, dass eine Schriftart für Menschen mit Beeinträchtigungen leichter zu lesen ist:
- klare, einfache Schriftzeichen
- Gute Unterscheidbarkeit von ähnlichen Zeichen
- Konsistente Strichstärken und offene Buchstabenformen
- Vermeidung von dekorativen Elementen, die das Erkennen der Buchstaben erschweren könnten.
Achtung: Die Wahl einer passenden Schriftart allein macht einen Text noch nicht barrierefrei – auch Aspekte wie die Schriftgröße, Abstände, Farbkontraste etc. sind zu beachten (mehr dazu weiter unten).
Warum barrierefreie Schriftarten einsetzen?
Mehr Inklusion im Netz
Barrierefreie Schrift trägt zur Inklusion bei. Durch die Verwendung werden digitale Inhalte verschiedenen Zielgruppen zugänglicher. Dazu gehören vor allem Menschen mit:
- Sehbehinderungen
- Farbenblindheit
- Legasthenie (Dyslexie)
- Altersbedingt eingeschränkter Sehkraft

Sie möchten wissen, wie Menschen mit solchen Einschränkungen digitale Inhalte wahrnehmen? Spezielle Tools simulieren verschiedene Seh- und Lesebeeinträchtigungen. Sie können dabei helfen, die Darstellung von Texten für Menschen mit Sehbehinderungen zu testen und gezielt zu verbessern.
- ABSV Sehbehinderungssimulator: Beispiel-Bilder, die die Auswirkungen von fünf häufigen Sehbehinderungen illustrieren
- BKK SBH Sehbehinderungssimulator: simuliert neun Augenerkrankungen in verschiedenen Stärken
- Web Disability Simulator: Erweiterung für Chrome-Browser, die Farbblindheit, Sehschwächen und Dyslexie simuliert
- Chrome Developer Tools (unter „weitere Tools” und „Rendering” zu „Sehschwäche simulieren” navigieren): simuliert auf ausgewählter Webseite live Seheinschränkungen wie verschwommene Sicht, niedriger Kontrast und Farbsehschwächen
- Dyslexie-Simulator: englischsprachiges Angebot, das für Legasthenie typische „Buchstaben-Verdreher” simuliert
Verbesserte Benutzerfreundlichkeit
Doch barrierefreie Schriftarten fördern nicht nur den Zugang zu (digitalen) Inhalten für Menschen mit dauerhaften Einschränkungen. Auch bei temporären Einschränkungen während der Nutzung von Smartphone, Laptop & Co. kann die Textgestaltung ohne Barrieren sehr hilfreich sein. Typische Alltagssituationen, die die Lesbarkeit herkömmlicher Webseiten erschweren:
- müde Augen
- schwache Beleuchtung
- geringe Bildschirmhelligkeit
Rechtliche Vorgaben zur Barrierefreiheit des Webdesigns
Seit Juni 2025 tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft, das private Unternehmen verpflichtet, digitale Inhalte barrierefrei zu gestalten. Es erfordert, dass Webseiten den WCAG 2.1 AA-Standards entsprechen, um sicherzustellen, dass auch Menschen mit Behinderungen uneingeschränkten Zugang zu digitalen Informationen haben.
Bereits jetzt sind öffentliche Stellen in Deutschland durch die BITV 2.0 verpflichtet, barrierefreie Websites zu betreiben. Ab 2025 betrifft dies auch den privaten Sektor, insbesondere Unternehmen in den Bereichen E-Commerce und Dienstleistungen.
Welche Schriftarten sind barrierefrei?
Es gibt sowohl Sonderschriftarten, die speziell für Menschen mit Seh- und Leseeinschränkungen entwickelt wurden, als auch typische Computer-Schriftarten, mithilfe derer grundsätzlich eine barrierefreie Textgestaltung möglich ist.
Beispiele für barrierefreie Standard-Fonts

Bei den Standard-Fonts gängiger Textverarbeitungssoftware und Online-Tools kommen vor allem serifenlose Schriften (Sans-Serif) infrage. Serifenlos bedeutet: Buchstaben besitzen keine zusätzlichen Linien und Häkchen (Serifen) am Strichende.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Arial
- Verdana
- Tahoma
- Helvetica
- Calibri
- Open Sans*
- Roboto*
- Noto Sans*
*kostenlose Open-Source-Schriftarten
Beispiele für spezielle Schriftarten
Wer Inhalte besonders inklusiv gestalten und die Lesbarkeit deutlich erhöhen möchte, kann auf Spezialschriftarten zurückgreifen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Atkinson Hyperlegible* (Fokus: Sehbehinderungen und -einschränkungen)
- Lexend* (Fokus: Sehbehinderungen und -einschränkungen)
- Tiresias (Fokus: Sehbehinderungen und -einschränkungen)
- OpenDyslexic* (Fokus: Legasthenie)
- Dyslexie Font (Fokus: Legasthenie)
- Sylexiad (Fokus: Legasthenie)
- Neue Frutiger 1450 (soll Empfehlungen der DIN 1450 für Schrift-Lesbarkeit umsetzen)
*kostenlose Open-Source-Schriftarten
Wo kann man barrierefreie Fonts herunterladen? Was kosten barrierefreie Schriftarten?
Schriftarten in den beiden oberen Textabschnitten, die wir mit einem Asterisk (*) markiert haben, sind Open-Source-Fonts und damit kostenlos verfügbar. Andere Schriftarten wiederum sind in Textverarbeitungsprogrammen wie Microsoft Word häufig bereits enthalten. Für die Nutzung der restlichen Schriftarten müssen kostenpflichtige Lizenzen gekauft werden.
Barrierefreie Schriftarten (kostenfrei und kostenpflichtig) können Sie zum Beispiel hier downloaden:
- Google Fonts (Open Sans, Roboto, Noto Sans, Atkinson Hyperlegible, Lexend)
- Atkinson Hyperlegible
- Lexend
- OpenDyslexic
- Dyslexie Font
- Sylexiad
- Font Squirrel (u.a. Tiresias Infofont)
- MyFonts (u.a. Neue Frutiger 1450)
Was neben barrierefreien Schriftarten noch wichtig zu beachten ist
Neben der Wahl der richtigen Schriftart gibt es noch andere wichtige Aspekte, die bei der typografischen Gestaltung und der Barrierefreiheit beachtet werden sollten.
Schriftgröße und -abstand
Neben der Art der Schrift spielt auch deren Größe eine wichtige Rolle für die Umsetzung barrierefreier Webdesigns. Hinzu kommen Abstände zwischen einzelnen Buchstaben, Wörtern, Textzeilen und Absätzen.
Das BFSG verweist in diesem Kontext auf die EN 301 549 Norm bzw. die WCAG 2.1 Level AA Richtlinien, die Vorgaben zur Skalierbarkeit und Lesbarkeit machen. Demnach gelten für Webseiten folgende Zielstandards: User können …
- den Text auf bis zu 200 % zoomen,
- 2-fachen Abstand zwischen Absätzen einstellen,
- 1,5-fachen Zeilenabstand einstellen,
- 0,16-fachen Wortabstand einstellen,
- 0,12-fachen Abstand zwischen Buchstaben einstellen,
ohne damit die Funktionalität des Webseiten-Layouts zu beeinträchtigen.
Daraus ergibt sich in der Praxis meist eine Schriftgröße von 16px als Mindestanforderung für barrierefreie Texte.
Layout-Tipps für optimale Lesbarkeit im Web
Ein gutes Layout trägt genauso zur Lesbarkeit von Texten bei wie die Wahl der Schriftart. Hier sind einige bewährte Layout-Tipps für barrierefreies Design:
- Linksbündige Ausrichtung: Diese Ausrichtung unterstützt eine bessere Lesbarkeit, besonders bei längeren Texten.
- Vermeidung von Blocksatz: Dieser kann die Lesbarkeit beeinträchtigen, da der Text unregelmäßige Abstände aufweist.
- Zeilenlänge: Halten Sie die Zeilenlänge auf maximal 75 Zeichen, um eine bessere Lesbarkeit zu ermöglichen.
Diese einfachen Anpassungen sorgen dafür, dass der Text gut strukturiert und leicht zu lesen ist.
Farbgestaltung & Kontrast
Auch ein ausreichender Kontrast zwischen Text und Hintergrund ist für die Zugänglichkeit von Webseiten unerlässlich. Um sicherzustellen, dass Ihre Website den WCAG-2.1-Richtlinien entspricht, sollten Sie diese Kontrastvorgaben berücksichtigen:
- Für normalen Text: mind. 4.5:1
- Für großen Text: mind. 3:1
Wichtig außerdem: Vermeiden Sie es, Farben als alleinige Informationsquelle zu verwenden, um sicherzustellen, dass auch Nutzer mit Farbsehschwächen alle Informationen problemlos aufnehmen können.
Tools zur Überprüfung der Barrierefreiheit von Schriftarten
Die Implementierung barrierefreier Schriftarten erfordert präzise Tests und Validierungen. Zum Glück gibt es zahlreiche Tools, die Ihnen helfen können, die Typographie und die Kontraste Ihrer Webseiten auf Barrierefreiheit zu überprüfen:
- WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool): prüft Webseiten auf über 200 WCAG-Kriterien, darunter Schriftgröße, Kontrast und semantische Struktur
- axe DevTools: ein Entwickler-Tool, das Barrierefreiheitsprobleme im Code identifiziert, einschließlich Probleme bei Schriftarten
- WebAIM Contrast Checker: misst das Kontrastverhältnis zwischen Text und Hintergrund und zeigt an, ob Ihre Webseite den WCAG-Standards entspricht
Mit diesen Tools können Sie sicherstellen, dass Ihre Webseite nicht nur gut aussieht, sondern auch für alle Nutzer zugänglich ist.

Fazit: Barrierefreiheit als UX-Boost
Die Implementierung barrierefreier Schriftarten auf Webseiten und anderen digitalen Angeboten ist nicht nur in vielen Fällen eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch eine echte Chance, die Benutzererfahrung auf Ihrer Website zu verbessern. Indem Sie einfache Anpassungen vornehmen, können Sie eine Website gestalten, die für alle Nutzer zugänglich ist. Dies fördert nicht nur die Inklusion, sondern steigert auch die Nutzerzufriedenheit und unterstützt das Branding Ihres Unternehmens.







